November 2012
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Die Generallinie / Das Alte und das Neue

Generalnaja linja / Staroje i nowoje

UdSSR 1926, OmU, 90 min, Regie: Sergej M. Eisenstein mit Marfa Lapkina, Wasja Busenkow, Kostja Wassiliew, Tschuchmarew, Ivan Judin, M. Iwanin, Neshnikow Eine einzelne Biographie, die der Buerin Marfa, wird Dreh- und Angelpunkt der genossenschaftlichen Kollektivierung in der jungen Sowjetunion. Diese Verschiebung der Perspektive vom einzelnen Menschen zur Gemeinschaft findet sich auch in der Konstruktion der filmischen Erzhlung. Wenn sie in der verfallenen, armseligen Behausung einer buerlichen Familie beginnt, so endet sie mit einer groen historischen Traverse im folgerichtigen Erreichen einer idealen Zukunft. Der sich zwischen diesen Polen abspielende spannungsgeladene (filmische) gesellschaftliche Entwicklungsprozess ist frei von persnlichen Konflikten alle Figuren dienen mehr der Reprsentation der Klassenstruktur als dass sie Individuen darstellen. Und dennoch, trotz aller propagandistischen Mechanik, sind diese Figuren menschlich gezeichnet und knnen ihre Emotionen auf das Publikum bertragen. Um seine Geschichten zu erzhlen, verbindet Eisenstein in seinen Filmen die gestalterische Rationalitt und Sinnlichkeit des Konstruktivismus, Raumaufteilung des Kubismus, James Joyces innerer Monolog, Verhaltensforschung und die Analyse des Unbewussten. Eisensteins Filme reflektierten den Zusammenhang zwischen Raum und kollektivem Schicksal, der fr die neue Zeit bestimmend wurde. Er veranschaulichte in ihnen den Mechanismus des Wirkens der sozialen Maschinerie: Unterdrckung, Solidaritt, Revolte, Gewalt, Gegengewalt. Mit einer Betonung der Physiognomien der Laiendarsteller, dem Verzicht auf Atelierbauten und Einstellungen mit klaren geometrischen Linien erreichte Eisenstein einen bis dahin unbekannten filmischen Naturalismus. (Filmmuseum Hamburg) Die Nhe des Films zu einem damals aktuellen Programm der Kommunistischen Partei wird Eisenstein zum Verhngnis. "Generallinie, so heien in der Parteisprache die Manahmen zur Kollektivierung der Landwirtschaft. Es sind erzwungene Manahmen, die keine Chance lassen fr eine langsame, behutsame Entwicklung zu Kooperativen, sondern unmittelbar zur Bildung von Kolchosen fhren sollen. Immer wieder werden die entsprechenden Parteibeschlsse revidiert und neu gefasst mit direkten negativen Auswirkungen auf den Fortgang der Filmarbeiten. Schlielich verdammt Stalin, um die Entwicklung zu forcieren, die Kulaken zu einer "unwerten" Kaste, die vernichtet werden muss. Dass Millionen Tote die Folge sein werden, kann Eisenstein zu der Zeit noch nicht wissen. ... 1929 ist der Film endlich fertig - mit vielen von der Partei erzwungenen nderungen. Stalin mag ihn nicht und will schon im Titel eine Distanz zur offiziellen Parteilinie. So wird der Film umbenannt in Das Alte und das Neue." (N.N., prisma.de) Die Cinmathque zeigt den Film auf Russisch mit deutschen Untertiteln in der naTo. Es handelt sich um eine digitale Projektion.