Killer of Sheep I mit Einführung in der Cinémathèque Leipzig

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Kurzfilm im Oktober

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Mattis Dovier
2016
3:11 min

vor jedem Hauptfilm (ausgenommen Sonderveranstaltungen)

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Killer of Sheep I mit Einführung Killer of Sheep I mit Einführung

Killer of Sheep I mit Einführung

paradoks

USA 1977, 81 min, Regie: Charles Burnett
mit Henry Gayle Sanders, Kaycee Moore, Charles Bracy, Angela Burnett, Eugene Cherry, Jack Drummond
Format:DCP

Sprache: Englisch mit deutschen Untertiteln
Language: English with German subtitles

+++English version below+++

Aus der Filmreihe: paradoks

Dokumentarfilme und Spielfilme teilen sich die Wirklichkeit – wenn auch eine verschiedene und von verschiedenen Standpunkten aus. Während erstere ihren Anspruch in der Regel durch sorgfältiges Vermeiden oder Kaschieren jeglicher Inszenierung zu erwerben versuchen, schafft im Spielfilm gerade die Inszenierung und mit ihr das Erzeugen eines künstlichen Raums die Voraussetzung dafür, dass das Publikum das filmische Erlebnis als ein wirkliches wahrnimmt.
Doch was geschieht, wenn die Werkzeuge und Voraussetzungen des dokumentarischen Filmens auf den Spielfilm übertragen werden? Was geschieht, wenn der Spielfilm die Kontrolle über seine Inszenierung nicht nur aus der Hand, sondern aufgibt? Und was, wenn er sich dokumentarische Bilder zugunsten einer fiktiven Narration einverleibt?


KILLER OF SHEEP beschreibt das Leben im afroamerikanisch geprägten Watts, Los Angeles, Mitte der 1970er Jahre. Der demographische Umbruch im Viertel und die Riots von 1992 sind in weiter Ferne. Die Kamera folgt Stan – erschöpft und abgestumpft durch die Arbeit auf dem Schlachthof, ist dieser dennoch ein sensibler Träumer – durch einen einfachen Alltag. Eine wärmende Kaffeetasse in müden Händen, Ehestreit, die Tochter im Arm, das Leben am Laufen halten. Burnetts eindringliche Bilder dramatisieren weder, noch romantisieren sie. Sie erzeugen eine melancholische Spannung und erliegen nicht der Versuchung diese aufzulösen. Dafür aber entwickeln sie eine Selbstbewusstsein ausdrückende Kraft.

Der Film wurde an den Originalschauplätzen überwiegend mit Amateurdarsteller*innen und mit der Handkamera gedreht. Ungeschliffen und einfühlsam lässt er an den italienischen Neorealismus denken, auch Cassavetes kommt in den Sinn; Burnett selbst nennt Jean Renoir als Vorbild. In jedem Fall: Thematik und Ästhetik von KILLER OF SHEEP, Burnetts Abschlussarbeit an der UCLA, waren revolutionär.
1990 wurde er von der Library of Congress der USA zum nationalen Kulturgut erklärt und die National Society of Film Critics zählt ihn zu den 100 wichtigsten Filmen aller Zeiten.

„Burnett— a one-man African-American New Wave“ (Nelson Kim, Senses of Cinema)

Mit Einführung

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"paradoks" film series

Documentary and fiction films both draw on reality – even if their realities may differ and are approached from different angles. The former aims to carefully avoid or disguise any traces of intentional staging. In fiction films, it is precisely this mise-en-scène and the creation of an artificial space which forms a prerequisite for creating an authentic cinematic experience for the audience.
But what happens if the instruments and conditions of documentary filmmaking are transposed onto a fiction film? What happens if a fiction film not only shares but hands over control over its staging processes? And what happens if it incorporates documentary images to create a fictional narrative?


In a melancholic version of neorealistic aesthetic, KILLER OF SHEEP depicts life of urban African-Americans in Los Angeles' Watts district, in the mid-1970s. The camera follows Stan – exhausted and blunted by his work at the slaughterhouse, he is nevertheless a sensitive dreamer – through a simple everyday life.

With introduction