Matto regiert in der Cinémathèque Leipzig

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Matto regiert Matto regiert
  • 6.09.2020
    die naTo

Matto regiert

Cops

CH 1947, 113 min, Regie: Leopold Lindtberg
mit Heinrich Gretler, Heinz Woester, Adolf Manz

mit Einführung

+++English version below+++

Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln


Wachtmeister Studer wird wegen des vermissten Chefarztes in eine „Nervenheilanstalt“ gerufen. Als der Gesuchte schließlich tot aufgefunden wird, gerät ein Patient in Verdacht, der Gegenstand der nicht ganz uneigennützig geführten Auseinandersetzung zwischen den beiden leitenden Medizinern war.

Was zunächst wie ein einfacher Fall aussieht, bekommt schnell eine grundsätzliche Dimension: Die Voraussetzungen jeglicher Betrachtung rücken selbst ins Zentrum der Aufklärungsversuche. Lassen sich „verrückt“ und „normal“ unterscheiden? Und, wem würde eine solche Unterscheidung nützen? Je tiefer Studer in die Welt der klinischen Betrachtung eindringt, umso stärker geraten kriminalistische „Wahrscheinlichkeiten“ in Widerspruch dazu.

Tickets können online gekauft oder reserviert werden: https://booking.cinetixx.de/frontend/#/eventList/2258131773
Reservierte Tickets müssen bis 20 Minuten vor Filmbeginn abgeholt werden. Besucher*innen mit Gutscheinen reservieren bitte ebenfalls online. Restkarten gibt es an der Abendkasse.



+++English version+++

Swiss German with German subtitles

Inspector Studer investigates the disappear of the head of a mental hospital, Dr. Borstli. He had recently been in a serious dispute with his colleague over their treatment of a patient, which now becomes a suspect for murder. Investigating the distinction between madness and normality, Studer is in danger of losing his perspective.

Tickets are available online:
https://booking.cinetixx.de/frontend/#/eventList/2258131773
Reservations are also possible there. Reserved tickets must be picked up at least 20 minutes before the screening. Visitors* with vouchers should also reserve online, please. Remaining tickets are available at the box office.





Aus der Filmreihe: COPS

1667 in Paris: Unter Ludwig XIV. wird erstmals eine flächendeckende Straßenbeleuchtung staatlich organisiert, um die Gesellschaft in den Städten besser kontrollieren zu können. Damit einher geht die Schaffung einer Polizei zur "Gewährleistung eines standesgemäßen Lebens".

Die "polizey" – also das gute Benehmen – wechselt die Seiten. Hatten bisher (sozial geächtete) Nachtwächter in der Stadt und Vögte auf dem Land für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, so wandelt sich nun die Überwachung von Regelkonformität in einen militärisch geprägten Verwaltungsakt. Das Handeln von Privatpersonen und deren Gutdünken wird somit in ein steuerbares Werkzeug der Legislative transformiert. Ein Apparat beginnt zu laufen.

Einem solchen Apparat ist auch eigen, niemals nicht zu laufen. Wenn gerade kein Verbrecher zu verfolgen ist, dann bedeutet dies nur, es wird nicht gut genug gesucht – das Verbrechen ist einfach nicht entdeckt. Daraus folgt natürlich, dass intensiver, mit besserer Technik und mehr Befugnissen gesucht werden muss. "All suspects are guilty! Otherwise, they wouldn't be suspects, would they?", heißt es so schön in Kevin Rubios TROOPS (einer am Set von STAR WARS in Drehpausen heimlich umgesetzten Mockumentary, die die Realitiy-TV Serie COPS auf den Arm nimmt).

Die Filmreihe COPS geht von folgender These aus: Das Bild des Polizisten bzw. der Polizistin, das im Film gezeichnet wird, unterscheidet sich von dem öffentlich verbreiteten. Im Gegensatz zu dem von offizieller Seite vermittelten, positiven Bild des neutral und distanziert über der Lage stehenden "Ordnungshüters" ist die Filmfigur eine zerrissene. In ihr kollidiert die gesellschaftliche, historisch-strukturelle Aufgabe mit der (auch persönlichen) Lebensrealität zu konfliktbeladener Ambivalenz.

Es bleibt nicht aus, dass die Personen in dieser Ambivalenz prädestiniert sind, die Ordnung, die sie verkörpern sollen, ihrerseits nicht aufrechterhalten zu können. Polizist*innen sind ebenso korrupt, rassistisch, bündlerisch, hilfsbereit wie alle anderen Menschen.

Die Gewalt, die sie institutionell verkörpern, transformieren sie in der Praxis in ein probates Werkzeug ihres eigenen Handelns. Im Film wird ein solche eskalative "Lösung" von Konfliktsituationen immer wieder legitimiert, indem das Handeln der Polizist*innen emphatisch nachvollziehbar gemacht wird.

Das Fernsehen nimmt in der Darstellung von Polizist*innen in der Regel eine Zwischenstellung ein. In Produktionen des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens (TATORT) beispielsweise, aber auch in US-amerikanischen Serien (etwa CAGNEY & LACEY) wird der einzelnen Figur auf persönlicher Ebene der Ausbruch aus dem idealisierten Bild zuweilen gestattet; die strukturelle Ebene jedoch bleibt stets und im Gegensatz zum Spielfilm positiv besetzt.

Das Programm versucht die erläuterten Ambivalenzen und Konflikte zu thematisieren und eine Diskussion über ihre Ursachen und Umstände anzuregen.

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