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L'aggettivo donna + Born in Flames

L'aggettivo donna - Adjektiv Frau Annabella Miscuglio, Ronny Daopoulos, Colletivo Feminista di Cinema, IT 1974, 54 min, Dok, OmU "Der Film als Kunstwerk ist immer noch eine von der Alltagswelt getrennte sthetische und kulturelle Erscheinung. Sein Wesen als Spektakulum fgt sich ein in die allgemeine Struktur einer Gesellschaft, die uns drngt, unablssig Rollen zu spielen, und das heit, das Erscheinen dem Sein voranzustellen. Die Kreativitt wird revolutionr, wenn sie nicht auf das 'knstlerische' Schaffen begrenzt bleibt, sondern sich der Gestaltung des Lebens selbst zuwendet. Aufgrund ihrer Verbreitung sind die audiovisuellen Massenmedien die schrfste Waffe der Mchtigen in der Beeinflussung des Verhaltens, der Wnsche, der Entscheidungen, der Denkweise der Individuen gem der von der Gesellschaft bestimmten Satzung. In dieser Gesellschaft herrschen die Bedingungen der modernen Produktionsweise und die Phallokratie. Deren einziges Ziel ist die Erhaltung der Macht. Das Spektrum der dargestellten weiblichen Stereotypen ist immer eine Funktion der konomischen und sozialen Notwendigkeit des jeweiligen historischen Moments gewesen. Das wird besonders deutlich in unserer Epoche, in der die Massenmedien den Menschen eindimensional und in einer abwegigen Vereinzelung darstellen. ... Seit uns die konomische Notwendigkeit in der kapitalistischen Entwicklung auf den Markt der bezahlten Arbeit geworfen hat, indem man uns 'erlaubt', aus der Familie hinauszugehen, um dem Staat ganz und gar zu dienen, haben wir angefangen uns am politischen Kampf zu beteiligen. Aber in der Opposition gegen das System haben wir begriffen, da unser Kampf weit ber den unserer 'Genossen' hinausgeht. Wir haben festgestellt, da man nicht gegen die kapitalistische Produktionsweise kmpfen kann, ohne auch das 'private' Leben zur Diskussion zu stellen, denn das wrde heien, da wir die Tatsache bersehen, da unsere eigene Charakterstruktur von der konomischen Notwendigkeit geformt ist. Es ist notwendig, ab jetzt damit zu beginnen, die menschlichen Beziehungen zu verndern, d.h. unser Verhltnis zum Mann, zu den Kindern und zu anderen Frauen. Wenn der Mann uns in den Wettkampf gegeneinander schickt, knnen wir sein Spiel nicht lnger spielen. Das ist das gleiche Spiel, das der Kapitalist mit dem Arbeiter treibt, indem er ihn zwingt, sich der Ausbeutung anzupassen, um zu berleben. Fr uns handelt es sich nicht darum zu berleben, sondern zu leben, ... Der Film verhlt sich aufgrund seiner Form als Vorfhrung autoritr, weil er einen direkten Dialog nicht erlaubt (statt 'mit' wird 'zu' gesprochen) und weil er es nicht zulsst, das gewhnliche Verhltnis Vorfhrung / passiver Zuschauer zu durchbrechen. Es dient sicher dem Gedankenaustausch und der Klarstellung, wenn man der Vorfhrung eine Debatte folgen lsst, aber wenn wir durch einen Film stimulierend wirken wollen, ist es notwendig, da die Zuschauerin den Film aus einer neuen Sicht sieht. Deshalb wenden wir uns weder an diejenigen, die im Kino nur ihre Zeit verbringen oder sich zerstreuen wollen, noch an solche, die da ihre kulturellen Orgasmen suchen. Unser Film ist ein Aufruf zur berlegung und zur Kritik, die zur Aktion werden. ... Der Film hat offensichtlich eine kodifizierte Sprache: Ausdruck des mnnlichen Geistes, induktiv, objektiv, logisch, fhig, die Gefhle zu beherrschen. Auch wenn wir keine spezifische filmsprachliche Untersuchung vorhaben, schlieen wir nicht aus, da aus unserem deduktiven, subjektiven, intuitiven, dialogischen und emotionalen Geist eine andere Sprache entstehen kann. Das wird uns vor allem dann gelingen, wenn wir mit der introvertierten und erzwungenen Kultur reinen Tisch machen. ..." (Manifest des Feministischen Kinokollektivs 1972) Die Cinmathque zeigt den Film auf Italienisch mit deutschen Untertiteln in der naTo. Es handelt sich um eine 16-mm-Kopie. Born in Flames Lizzy Borden, USA 1983, mit Kathrin Bigelow, Pat Murphy, Jeanne Satterfield, 90 min, OF "BORN IN FLAMES spielt in der Zukunft - zehn Jahre nach einer sozialdemokratischen kulturellen 'Revolution' in Amerika. Doch der Film ist nicht im traditionellen Sinne Science Fiction. Er bemht sich nicht, eine futuristische Welt zu entwerfen, denn er betrifft die Gegenwart ebenso wie die Zukunft. Und er stellt damit die Frage, ob die Unterdrckung der Frauen jemals, in einem irgendwie gearteten sozialen System, ein Ende finden wird. Die Filmhandlung setzt zu einem Zeitpunkt der Ernchterung ein, als politische Ideale pragmatischen Realitten geopfert werden. Die sozialdemokratische Partei, die von Frauen untersttzt wurde, hat ihre Versprechen nicht erfllt. Die Frauen sind jedoch nicht anti-sozialistisch eingestellt. Vielmehr begreifen sie sich als wahre Sozialistinnen, deren Hoffnungen auf eine gleichberechtigte Gesellschaft sich zerschlagen haben. Sie widersetzen sich der Brokratie der traditionellen Linken, deren Herrschaftsstruktur unweigerlich die Vorherrschaft weier Mnner perpetuiert; und einer 'sozialistischen' Regierung, die am Arbeitsplatz wie im Hause die Frau wieder in die Rolle der Gattin und Mutter zurckzwingt und zeitweilige konomische Verbesserungen ihrer Lage nur aus Opportunismus einfhrt. Die Frauen im Film sind durch relativen 'Fortschritt' nicht zufrieden zu stellen, solange die Gesellschaft Vergewaltigung, Prostitution und sexistische Einschchterung noch allenthalben geschehen lt, solange Homosexualitt noch unter Strafe steht und 'Frauenfragen' wie die Einrichtung von Kindertagessttten als zweitrangige Probleme gelten. Der Film fhrt aus der Realitt in die Phantasie, wenn er zeigt, wie sich die Frauen gegen die ganz 'normale' Unterdrckung, die seit Jahrzehnten herrscht, auflehnen und zu bewaffneten Kmpferinnen gegen die Regierung werden." (Lizzy Borden) "Lizzie Bordens Filme zhlen zu den wenigen gelungenen Beispielen, in denen im Spielfilm mit einer radikalen Form und Methode experimentiert wird. Ihre Filme sind vielschichtig, eine Mischung aus Fiktion und Authentizitt. Ein wichtiges formales Element ist das Prinzip der Verschiebung: Verschiebung der historischen Fakten, der Chronologie der Charaktere, der Kontinuitt und der Erwartung. Eine Handlung entfaltet sich fiktional, geht abrupt in Faktendarstellung ber, fllt in Fiktion zurck. Informationen enthllen sich aus dem Off, Szenen beginnen, werden abgebrochen, setzen sich an spterer Stelle fort. Analog zu dieser Struktur der Zertrmmerung verwendet Borden sprunghafte Schnitte, Schwarzfilm, sich berlagernde Stimmen und asynchronen Ton. Kontinuitt ergibt sich durch eingebaute Selbstkritik, Kritik an den eigenen Annahmen und Voraussetzungen, insbesondere hinsichtlich der Methode und dem Erfolg des Films, mit den politischen Problemen umzugehen, die er in Angriff nimmt. Unweigerlich sind dies Probleme, wie sie sich amerikanischen Frauen stellen, die eine machbare politische Taktik entwickeln wollen. Hier entspricht der Gegenstand oder Inhalt des Films exakt seinen Prmissen: Bordens Frauen sind stets damit befat, ein politisches Handlungskonzept zu formulieren, das in Form und Inhalt radikal ist und keine Kompromisse duldet. Indem sie den Film zum eigentlichen Gegenstand der Kritik macht, geht Borden einen Schritt weiter als Brecht: ihre Methode enthllt den Zuschauern nicht nur die Mechanismen, nach denen der Film funktioniert, er legt auch die eigenen politischen Schwchen und Vorurteile frei und liefert sie kritischen Angriffen aus. Fr Bordens Filme ist bedeutsam, da sie keinen Wissensvorsprung vor den Zuschauem behaupten und keine 'richtige' politische Linie vorgeben. Sie vertreten keinen Standpunkt, nur um ihn im folgenden wasserdicht zu rechtfertigen, sondern legen ihre Positionen offen, analysieren sie, kritisieren sie und machen sie damit verwundbar." (Becky Johnston, unverffentlichtes Manuskript von 1980) Die Cinmathque zeigt den Film auf Englisch ohne Untertitel in der naTo. Es handelt sich um eine 16-mm-Kopie.