November 2012
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Comuna en construccion

BRD/sterreich/Venezuela 2010, OmU, Dok, 94 min, Regie: Dario Azzellini, Oliver Ressler "Wie viel Bedeutung hat ein neuer Milchtank? Ein Telefonanschluss? Oder ein Fuboden im Haus? Das aktuelle Venezuela ist eine der letzten Hochburgen, welche den Wert einer Sache an seinem Wert fr die Gemeinschaft misst. Es ist eine der wenigen sozialistischen Bastionen auf der Welt. Aber es ist auch ein Land, das sich noch immer im Prozess befindet zu verstehen, was das eigentlich bedeutet. Was Sozialismus ist. Was die Mglichkeiten und Hindernisse dieses sozialen und politischen Wandels sind. Die aktuelle Situation dieses Prozesses der bolivarischen Revolution wurde in dem Film COMUNA IM AUFBAU von den Regisseuren Dario Azzellini und Olivier Ressler festgehalten. Es ist ein Film, der sich nicht den groen Reden und politischen Machtspielen der sozialistischen Regierung und ihrer Opposition in Venezuela widmet. Sondern es ist ein Film, der sich ganz kontrr dem Kerngedanken des Sozialismus nhert: Der Diktatur der Mehrheit. Der Basisdemokratie. Und das auf sehr konkrete Weise. Diese findet sich in Venezuela an erster Stelle nicht nur in den nationalen Wahlen, sondern ganz direkt auf kommunaler Ebene. Die Theorie ist recht simpel: Kommunale Rte (consejos communales) arbeiten die Bedrfnisse der Gemeinden heraus. Diese Bedrfnisse werden anschlieend von mehreren Gemeinderten im Zusammenschluss, der Kommune (comuna), zusammengetragen und mit staatlicher Hilfe der Ministerien realisiert. Alles auf der Basis der tatschlich demokratischen Selbstverwaltung, und nicht im Schatten eines reprsentativen Systems. Die Theorie ist einfach. Die Umsetzung aber weniger. Der Film zeigt, wie anstrengend Basisdemokratie ist. Die endlosen Diskussionen um jedes Detail muss der Zuschauer mit aussitzen, muss sich mitbeteiligen und lernt mit der gleichen Geduld wie die Protagonisten, was dieser kommunale Sozialismus in Venezuela bedeutet. Es gibt keine emotionalisierende Musik oder Stimmungsbilder, alles neben den Diskussionen sind Beweise fr die Argumente der Diskutierenden. Hier ein Armenviertel, da ein ausgebeuteter Wald. Der Film gibt sich keinen Emotionen hin. Er ist weder Propaganda noch Weichspler. Er ist rational, konkret, gegenstandsbezogen. Es wird klar: Hier gehts nicht um Impressionen, sondern ums Anpacken. ... Was auf den ersten Blick sehr redundant und zh wirkt, entfaltet im Verlauf des Films eine ungeahnte Qualitt. Dem Zuschauer vor dem japanischen Flachbildschirm auf der schwedischen Couch mit dem mexikanischen Bier und den thailndischen Hosen wird gewahr, wie sehr sich diese ntige Kommunikation um die Verteilung von Kapital in unserer Welt auf die einzige Freiheit beschrnkt, die wir genieen: Die Freiheit zu konsumieren, soweit man kann. Um zu bekommen, was man bentigt, muss man sich in unserer Welt nicht mit seinem Nchsten auseinandersetzen. Man muss nicht mehr handeln, kommunizieren, sondern einfach bezahlen knnen. Man muss nur die Mittel fr die eigenen Nte haben. Wer am meisten konsumieren kann, wer die grte Auswahl hat, ist der freieste Mann. Man ist nicht mehr Mensch, sondern nur noch Kaufkraft. Hier geht es um sich selbst, nicht um die Gemeinschaft, die Kommune. Was in Venezuela tatschlich ein zher und redundanter Prozess ist, knnte doch auch Grundstein fr ein gemeinschaftsbezogeneres Miteinander sein als es gerade auf der Welt blich ist. Der Wille - das zeigt der Film deutlich ist vorhanden. (Janusch Ertler, www.negativ-film.de/) Die Cinmathque zeigt den Film auf Spanisch mit deutschen Untertiteln in der naTo. Es handelt sich um eine digitale Projektion.