Tagebuch einer Verlorenen in der Cinémathèque Leipzig

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02.01. Donnerstag

19:00Campo
21:00Systemsprenger

03.01. Freitag

19:00Campo
21:00Systemsprenger

04.01. Samstag

19:00Bis dann, mein Sohn | mit Einführung

06.01. Montag

19:00Campo
21:00Systemsprenger

07.01. Dienstag

19:00Gundermann Revier | mit Regiegespräch
22:00Campo

08.01. Mittwoch

19:00Gundermann Revier
21:00Systemsprenger

11.01. Samstag

19:00Angelo
21:30Gundermann Revier

12.01. Sonntag

19:00Gundermann Revier
21:00Angelo

13.01. Montag

19:00Gundermann Revier
21:00Angelo

14.01. Dienstag

19:00Bis dann, mein Sohn | mit Einführung

15.01. Mittwoch

19:00The Venerable W I mit Diskussion
22:00Gundermann Revier

19.01. Sonntag

19:00Angelo
21:15Campo

21.01. Dienstag

19:00La isla mínima
21:15Angelo

22.01. Mittwoch

19:00Bis dann, mein Sohn | mit Einführung

23.01. Donnerstag

19:00Freies Land
21:30La isla mínima

27.01. Montag

19:00Der Fall Johanna Langefeld | mit Regiegespräch
22:00Freies Land

28.01. Dienstag

18:00Alles auf Anfang I mit Regiegespräch
21:30Freies Land

29.01. Mittwoch

19:00Freies Land
21:30La isla mínima

ProgrammJanuar

INTERIM

Ab sofort finden alle unsere Vorführungen statt, wenn mindestens ein*e Zuschauer*innen da ist. Also keine Angst mehr vor dem Besuch weniger bekannter Filme ;)

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Tagebuch einer Verlorenen Tagebuch einer Verlorenen
  • 18.11.2017
    Grassi

Tagebuch einer Verlorenen

Kinoorgel live im GRASSI

Weimarer Republik 1929, OF (stumm), 109 min, Regie: G.W. Papst
mit Louise Brooks, Valeska Gert, Kurt Gerron, Fritz Rasp

Diven, Stars und Sternchen 4: Louise Brooks

Die Apothekerstochter Thymian (Louise Brooks) erwartet ein Kind, doch der werdende Vater möchte sie trotzdem nicht heiraten. Ihr verwitweter Vater und ihre Verwandten beschließen, das Kind wegzugeben und Thymian in ein Erziehungsheim zu schicken. Doch das dort herrschende strenge Reglement erträgt das Mädchen nicht lange, sie ergreift die Flucht und findet eine Bleibe im örtlichen Bordell...

Im Zentrum des Films leuchtet das strahlende Gesicht der US-amerikanischen Schauspielerin Louise Brooks. Es ist klassisch schön; zielgenaue Augenbrauen und ein kurzer Bubiharrschnitt rahmen das eigentliche Zentrum ihrer Züge und das sind ihre großen dunklen Augen. Mit einem Blick erzählt Brooks mehr als ihre europäischen Kollegen, die mimisch und gestisch viel zu dick auftragen und an ihrer Seite in Posen erstarren. Nicht nur dank des naturalistischen Schauspiels war Louise Brooks ihrer Zeit weit voraus und wurde infolge von ihrem Studio verkannt. Die Bosse der Paramount missverstanden Brooks Schauspielstil als Nichtkönnen. Und so kam es, dass sie, die dem Studiosystem sowieso kritisch gegenüberstand ihren Vertrag selbst aufkündigte und Hollywood dankend Richtung Potsdam Babelsberg verließ. Zum Glück, denn sonst wäre das Stummfilmkino ohne DIE BÜCHSE DER PANDORA und TAGEBUCH EINER VERLORENEN (beide Filme von G. W. Pabst und aus dem 1929) um zwei der schönsten Stummfilme und die Popkultur um eine wichtige Ikone ärmer. Wer kennt es nicht Georg P. Hommels Photo von Louise Brooks’ weißem Profil, ihrem exakt gebürsteten, kurzen Bubikopf, schwarz gewandet, eine weiße, lange Perlenkette dramatisch vorm Körper haltend? Tatsächlich sollte es bis zu Jean Sebergs Kurzhaarschnitt und Jennifer Anistons Scheitel keine Filmfrisur geben, die einen derartigen Einfluss ausübte. Im TAGEBUCH EINER VERLORENEN markiert der Bubikopf die Phasen, in denen Thymians (Louise Brooks) Leben frei von Zwängen ist. Die Geschichte der Berliner Apothekertochter, die verführt, schwanger und verstoßen wird, hätte in jeder anderen Besetzung melodramatisch überzeichnet werden können. Louise Brooks hingegen führt ihre Figur Thymian stolz und selbstbewusst durch die dritte und bekannteste Verfilmung von Margarete Böhmes Skandalroman aus dem Jahre 1905. TAGEBUCH EINER VERLORENEN sollte Louise Brooks letzter Stummfilm und ihr letzter großer Film werden. Via Frankreich in die Heimat zurückgekehrt, drehte sie dort nur noch B-Filme und entkam dem Ruf eine Diva zu sein nicht. Erst viele Jahrzehnte später sollten französische Filmkritiker Louise Brooks wiederentdecken, sie mit Retrospektiven ehren und ihr endlich den Status einräumen, den die Studios der 20er Jahre versäumt hatten ihr anzuerkennen. Louise Brooks, die in Hollywood wie ein Sternchen gecastet wurde, war und ist ein Star, der seine eigne Zeit überstahlt. (Claudia Cornelius)

Die Veranstaltungsreihe Kinoorgel live findet im Großen Vortragsaal des GRASSI Museum Leipzig statt und ist eine Kooperationsveranstaltung des Cinémathèque Leipzig e.V. und des Museums für Musikinstrumente der Universität Leipzig.

An der Welteorgel begleitet von Sr. Maria Wolfsberger das Programm.
Mit Einführungen von Claudia Cornelius und Philipp Hosbach.


Kinoorgel live-Eintrittspreise: 10,00 € / 8,00 € (ermäßigt) / 20,00 € (Familienkarte) / 6,00 € p.P. (Gruppenkarte ab 8 Personen) / 3,00 € (Kinder im Alter von 4 - 16 Jahren und Leipzig-Pass)