High Noon I mit Gespräch in der Cinémathèque Leipzig

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High Noon I mit Gespräch High Noon I mit Gespräch
  • 1.09.2020
    die naTo

High Noon I mit Gespräch

Cops

USA 1952, OV, 85 min, Regie: Fred Zinnemann
mit Gary Cooper, Grace Kelly

Sprache: Englisch
Language: English

+++English version below+++

Englische Originalversion

mit Einführung


Im industrialisierten Osten der USA tobt die "Große Depression", der kalifornische Goldrausch ist knapp zwanzig Jahre her, es sind grob Zeit und Gegend von Billy the Kid: Hadleyville um 1877. Der Marshal hat die Stadt gesäubert, eben geheiratet und den letzten Tag seines Dienstes; morgen kommt der Neue. Da wird mit dem Mittagszug ein eben begnadigter Gangster angekündigt, den der Marshal einst ins Gefängnis brachte.

In Echtzeit erzählt diese Ikone des Western vom Entscheiden und Position beziehen, von der Schwierigkeit, über sich selbst hinaus zu handeln, und damit einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Problem: der Organisation des Miteinanderlebens. Dabei lässt sich der Film auch als Allegorie auf die politischen Verfolgungen der McCarthy-Administration lesen. ... Der Titelsong ist heute noch ein Ohrwurm.

zu Gast per Videotelefon: Johannes Binotto, Kultur- und Medienwissenschaftler, Dozent für Filmtheorie an der Hochschule Luzern, Redakteur von RISS. Zeitschrift für Psychoanalyse und ehemals Filmbulletin.

Tickets können online gekauft oder reserviert werden: https://booking.cinetixx.de/frontend/#/eventList/2258131773
Reservierte Tickets müssen bis 20 Minuten vor Filmbeginn abgeholt werden. Besucher*innen mit Gutscheinen reservieren bitte ebenfalls online. Restkarten gibt es an der Abendkasse.



+++English version+++

English Original Version

Marshal Kane has just married and is about to retire and leave the western town of Hadleyville to start a new life with his Quaker wife. However, news arrives that a revenge-seeking Gangster, whom Kane arrested years earlier, is en route with a band of outlaws. Kane initially leaves – also pushed by the townsmen – but quickly returns out of a sense of duty. But he finds himself without any one to back him up.

Tickets are available online:
https://booking.cinetixx.de/frontend/#/eventList/2258131773
Reservations are also possible there. Reserved tickets must be picked up at least 20 minutes before the screening. Visitors* with vouchers should also reserve online, please. Remaining tickets are available at the box office.





Aus der Filmreihe: COPS

1667 in Paris: Unter Ludwig XIV. wird erstmals eine flächendeckende Straßenbeleuchtung staatlich organisiert, um die Gesellschaft in den Städten besser kontrollieren zu können. Damit einher geht die Schaffung einer Polizei zur "Gewährleistung eines standesgemäßen Lebens".

Die "polizey" – also das gute Benehmen – wechselt die Seiten. Hatten bisher (sozial geächtete) Nachtwächter in der Stadt und Vögte auf dem Land für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, so wandelt sich nun die Überwachung von Regelkonformität in einen militärisch geprägten Verwaltungsakt. Das Handeln von Privatpersonen und deren Gutdünken wird somit in ein steuerbares Werkzeug der Legislative transformiert. Ein Apparat beginnt zu laufen.

Einem solchen Apparat ist auch eigen, niemals nicht zu laufen. Wenn gerade kein Verbrecher zu verfolgen ist, dann bedeutet dies nur, es wird nicht gut genug gesucht – das Verbrechen ist einfach nicht entdeckt. Daraus folgt natürlich, dass intensiver, mit besserer Technik und mehr Befugnissen gesucht werden muss. "All suspects are guilty! Otherwise, they wouldn't be suspects, would they?", heißt es so schön in Kevin Rubios TROOPS (einer am Set von STAR WARS in Drehpausen heimlich umgesetzten Mockumentary, die die Realitiy-TV Serie COPS auf den Arm nimmt).

Die Filmreihe COPS geht von folgender These aus: Das Bild des Polizisten bzw. der Polizistin, das im Film gezeichnet wird, unterscheidet sich von dem öffentlich verbreiteten. Im Gegensatz zu dem von offizieller Seite vermittelten, positiven Bild des neutral und distanziert über der Lage stehenden "Ordnungshüters" ist die Filmfigur eine zerrissene. In ihr kollidiert die gesellschaftliche, historisch-strukturelle Aufgabe mit der (auch persönlichen) Lebensrealität zu konfliktbeladener Ambivalenz.

Es bleibt nicht aus, dass die Personen in dieser Ambivalenz prädestiniert sind, die Ordnung, die sie verkörpern sollen, ihrerseits nicht aufrechterhalten zu können. Polizist*innen sind ebenso korrupt, rassistisch, bündlerisch, hilfsbereit wie alle anderen Menschen.

Die Gewalt, die sie institutionell verkörpern, transformieren sie in der Praxis in ein probates Werkzeug ihres eigenen Handelns. Im Film wird ein solche eskalative "Lösung" von Konfliktsituationen immer wieder legitimiert, indem das Handeln der Polizist*innen emphatisch nachvollziehbar gemacht wird.

Das Fernsehen nimmt in der Darstellung von Polizist*innen in der Regel eine Zwischenstellung ein. In Produktionen des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens (TATORT) beispielsweise, aber auch in US-amerikanischen Serien (etwa CAGNEY & LACEY) wird der einzelnen Figur auf persönlicher Ebene der Ausbruch aus dem idealisierten Bild zuweilen gestattet; die strukturelle Ebene jedoch bleibt stets und im Gegensatz zum Spielfilm positiv besetzt.

Das Programm versucht die erläuterten Ambivalenzen und Konflikte zu thematisieren und eine Diskussion über ihre Ursachen und Umstände anzuregen.

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